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Eintürnen
- Die Kräuterführerin Sieglinde Walser-Weber sorgt auf dem Seminarhof Sonnenhof von Brigitte Holderried in Eintürnen dafür, daß bei ihren Kochkursen nicht nur Gaumenfreuden auf den Tisch kommen, sondern auch das Wissen um aromatische und gesunde Wildkräuter wieder in die Küchen Einzug hält. (Foto: Kräuterführerin Sieglinde Walser-Weber inmitten ihrer „Naturschätze“ im Kräutergarten des Seminarhofes Sonnentor)

 

Sieglinde Walser-Weber steht auf Wildkräuter, und das manchmal im Wortsinne: Wenn sie im Wildkräutergarten des Seminarhofes Sonnenhof in Eintürnen Kräuter für ihre Kurse zupft, kann es durchaus sein, dass das eine oder andere Pflänzchen – natürlich unabsichtlich – unter ihren Schuhen landet. Denn die zertifizierte Kräuterführerin gibt Kochkurse, bei denen die Teilnehmer zum einen Lernen, wie sie mit den in manchen Gärten als Unkraut angesehenen Wildkräutern tolle Gerichte zaubern können, zum anderen auch viel über die Kräuter und ihre Wirk- und Inhaltsstoffe lernen können.

Margit Rock von der Bad Wurzach Info, die Brigtte Holderried schon lange kennt, war im Rahmen ihrer Tätigkeit für die Ferien-Region Allgäu-Bodensee vor einigen Jahren auf das Thema Wildkräuter aufmerksam geworden, ein Thema das sie auch aus persönlichem Interesse verfolgte. Das Wissen um die Kräuter – im Allgäu gibt es in fast jedem Dorf eine Kräuterführerin, ist hierzulande nur noch ganz wenigen Älteren bekannt. Der Wunsch, dieses Wissen wieder Jüngeren zugänglich zu machen, liess Brigitte Holderried nicht ruhen und sie legte auf dem weitläufigen Gelände hinter dem Seminarhof einen Kräutergarten an. Mit ihrer Nachbarin Sieglinde Walser-Weber fand sie eine Mitarbeiterin, die von ihrer Großmutter viel Wissen über die Garten- und Wildkräuter mitbekommen hatte und ihr Interesse teilte.
Vor drei Jahren begann Walser-Weber im Seminarhof mit Kochkursen, in denen sie ihren Teilnehmern neben der Zubereitung von schmackhaften und gesunden Gerichten auch ihr Wissen über Wildkräuter lehrte. Denn wenn einmal, etwa bei einem Stromausfall, die Kochmöglichkeiten sehr eingeschränkt sind, kann man mit den Kräutern aus dem eigenen Garten dennoch problemlos z.B. eine schmackhafte Suppe kreieren.

Die einjährige Ausbildung zur Kräuterführerin, die Walser-Weber absolvierte, stellte neben dem umfassenden Fachwissen über die Kräuter auch noch ganz andere Anforderungen, etwa Bergwandern, die durchaus auch körperliche Fitness vorraussetzten. Walser-Weber war bei ihrer Großmutter auf einem abgelegenen Gehöft im Kreuztal aufgewachsen, mit dem Kräutergarten der Natur vor der Haustüre, sodaß sie von Kindesbeinen an mit der Materie vertraut war. Nach einem langen Winter war dann die Neunkräutersuppe an Ostern immer eine willkommene Delikatesse und zugleich Energie- und Kraftquelle.
„Wer weiss schon, daß die Blätter des Scharbockskraut, das gemeinhin als giftig gilt, vor seiner Blüte essbar sind und und sehr viel Vitamin C enthalten,“ erzählt die Kräuterführerin. Und dieses Wissen hatten die Altvorderen, die damit mangels anderer Vitamin C Quellen dem berüchtigten Skorbut vorbeugten. Hier liegt auch die große Verantwortung der Kräuterexperten, die eine ziemlich happige Ausbildung erforderlich macht: Ein Heilkraut zur falschen Zeit und in einer falschen Dosis angewandt kann böse gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.
Sieglinde Walser-Weber rät bei ihren Kursen den Teilnehmern, sich immer nur mit einem einzelnen Kraut, dafür aber sehr intensiv auseinanderzusetzen und sich auf diese Art nach und nach das Universum der Kräuter zu erschliessen. Damit dabei möglichst viel Wissen hängen bleibt, sei es wichtig, sich mit allen Sinnen mit der Pflanze zu beschäftigen. Denn auf diese Art gewonnene Eindrücke bleiben am besten im Gedächtnis haften.

Was den beiden Frauen im Verlaufe der Kochkurse aufgefallen ist, war, daß auch sehr gute Hausfrauen und Köchinnen dabei waren, denen einfach viel daran lag neue Geschmacksnuancen aus ihrem Essen herauszuholen.
Dieses Potential zu Tage zu fördern, darin sieht Margit Rock von der Bad Wurzach Info und als Vertreterin der Ferienregion Württembergisches Allgäu /Bodensee einer ihrer Aufgaben. „Viele wissen gar nicht, daß es so etwas direkt vor der eigenen Haustüre gibt, “ stellt sie fest. Dabei wäre so eine Führung ein ideales Ausflugsziel, etwa für eine Landfrauengruppe o.ä., meint die Tourismusexpertin.
In der Bad Wurzach Info ist daher seit kurzem ein 60 seitiges Jahresprogramm mit dem Titel „Kraftquelle Allgäu Kräuter“ erhältlich. Darin sind auch unter der Rubrik „Wilde Küche“ die Kochkurs-Angebote von Sieglinde Walser-Weber vertreten.
Kräuterführungen finden von Mai bis August jeweils am ersten Dienstag des Monats im Kräutergarten des Seminarhofes statt, Gruppen können sich auch einen Wunschtermin geben lassen.

Text und Foto: Uli Gresser

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