Eintürnen

Eintürnen - Die erste Bürgerinformation zum Thema Flüchtlingsunterkünfte und Hallenbelegungen in den Teilorten. Berthold Leupolz, Ortsvorsteher von Eintürnen und Bürgermeister Roland Bürkle informierten insgesamt 248 interessierte Bürger.

 

„ Die Flüchtlinge müssen in Städten und Gemeinden untergebracht werden“, versuchte der Bürgermeister, seinen Zuhörern näher zu bringen, “ denn nur wir haben Wohnraum zur Verfügung.“ Mit Nachdruck machte Bürkle ebenfalls deutlich, dass das Miet-und Kaufpreisniveau in der Stadt nicht kaputt gemacht werden solle. Mit 5,50 Euro pro Quadratmeter angemieteter Fläche entspräche das dem regulären Mietpreis. Auch wenn die Stadt die Möglichkeit habe, ein Gebäude zu kaufen, würde der Verkehrswert entsprechend eines Gutachtens bezahlt.

Ortsvorsteher Leupolz, erzählte in diesem Rahmen, dass nicht alle Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen geeignet seien, da diese bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssten. Umnutzungen, auch intensive Sanierungsarbeiten oder Renovierungen, wie sie im Pfarrhaus in Eintürnen notwendig wären, würden zusätzliche Kosten verursachen.

Laut Königssteinerschlüssel muß Bad Wurzach bis Ende November noch 150 Personen aufnehmen. „Davon können wir 70 Personen in normalen Unterkünften unterbringen“, erklärt Bürkle, “ 80 müssen aber in einer Notunterkunft untergebracht werden.“

 

Bis 22. November kann Turnhalle in Eintürnen noch genutzt werden
Die Wahl der passenden Notlösung, fiel offensichtlich weder Stadtrat, Bürgermeister oder dem Ortsvorsteher der kleinen Teilgemeinde leicht. Die Turnhalle in Eintürnen schien jedoch die geeignetste Wahl zu sein. Wobei alle Vertreter der Stadt signalisierten, dass es keine Ideallösung sei. Um dem Vereinsleben auf dem Berg trotzdem Räume bieten zu können, werden in der Grundschule Räume umgenutzt. So können Schul- und Kindergartensport weiterhin stattfinden. Auch die Karategruppe kann so weitertrainieren.

Leupolz appellierte an seine Eintürner Einwohner, diesen Ausnahmezustand so anzunehmen und das Vereinsleben weiter zu führen. Die Proben der Musikkapelle können zukünftig, dann auch in der Grundschule stattfinden.

Sollte für Veranstaltungen und Sportstunden in den Vereinen eine größere Halle von Nöten sein, kann dienstags, ab 20.00 Uhr und mittwochs ab 20.30 Uhr die Turnhalle in Haidgau genutzt werden. Für Veranstaltungen jeglicher Form können in den umliegenden Gemeinden, entsprechende Räume zum gleichen Mietpreis wie die Turnhalle in Eintürnen gemietet werden. Die Hallenbelegung wird voraussichtlich bis Frühjahr 2016 notwendig sein. Dann, so hofft Bürgermeister Roland Bürkle, stehen die Wohncontainer in Hauerz und Arnach. Der Landkreis Ravensburg wird vollständig für die Unterbringungskosten aufkommen.

 

Kosten werden geteilt
Der Landkreis Ravensburg teilt sich zwar die Unterbringungslast mit der Stadtverwaltung, trotzdem kann davon ausgegangen werden, dass Bad Wurzach rund 75.000 Euro an Grunderwerb und Ausstattung für die Flüchtlinge bereit stellen muß. Um eine bestmögliche Betreuung der rund 300 Asylbewerber in der Stadt zu ermöglichen, wird die Stadtverwaltung eine Teilzeitkraft zu 50% einstellen. Ebenso wird der Fachbereich Familie, das Ordnungsamt mit einer 40% Stelle unterstützen.

 

Geplante zukünftige Unterkünfte in den Teilorten
Der Landkreis Ravensburg wird an der Sportanlage in Arnach und am Freibad in Hauerz Container für jeweils 48 Personen aufstellen. Durch Umwidmung von städt. Gebäuden, wie das Rathaus in Unterschwarzach für 38 Personen und ein Gebäude im Birkenweg, Bad Wurzach 24 Personen sollen zusätzlich Platz schaffen. Die Stadt selbst kann auf eine vorhandene Wohnung in Seibranzer Schule für fünf Personen zurückgreifen. Anmietungen von Wohnungen in Haidgau für 10 Personen, sowie in Seibranz, für 10 Flüchtlinge und in Bad Wurzach für ca. 15, sind ebenfalls in Planung.

 

karte

 

 

Bürger wollen Sicherheit
Mit gemischten Gefühlen blicken die Einwohner der kleinen Teilgemeinde auf die nächsten Monate. Sie haben Respekt vor dem was da kommt. Die „ Fremden“, die in der Halle untergebracht sind, sorgen jetzt schon bei manchen für ein bedrückendes Gefühl. Wie die Kinder darauf vorbereitet werden sollen, wollen Eltern wissen? Ob die Halle wirklich nur für ein halbes Jahr in Beschlag genommen wird? Wird entsprechend Fachpersonal da sein, um zum Beispiel bei einem „Lagerkoller“ entsprechend eingreifen zu können. Hält die Halle das aus. Ist die Unterbringung überhaupt menschenwürdig? Was können wir tun?

Der Eintürner Ortsvorsteher ist zuversichtlich. „Wir werden das gemeinsam schaffen“, versucht er den Leuten den Rücken zu stärken. Er selbst werde für den Zeitraum nach Eintürnen ins Pfarrhaus ziehen, erklärt er während der Infoveranstaltung. Leupolz will für die Einwohner und Flüchtlinge da sein.

Bernd Rosenthal erzählte von Begegnungen der Kinder mit den Flüchtlingen. Der Diakon spiegelte, dass die jüngsten unserer Gesellschaft offen und unbefangen mit den Leuten umgingen, die Begegnungen für beide Seiten ausgesprochen schön gewesen seien.

Bürgermeister Roland Bürkle versicherte den Anwesenden, dass das Bedürfnis nach Sicherheit, ein sehr ernstes Thema sei, dessen sich die Stadt bereits annehmen würde. Gespräche mit der Polizei seien in Planung.

Letzten Endes veranschaulichten zwei Einheimische selbst, warum es für diese Situation und die Ängste die damit verbunden sind nur einen Weg gibt. Beide haben einen Migrationshintergrund. Sie sind auf dem Berg angekommen. Ihre Familien integriert. Sie haben eine Chance bekommen, zu zeigen dass man sich vor den „ Anderen“ nicht fürchten muß.

Bild und Text Diana Schwarz

 

 

 

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok