Evangelische Kirche

Bad Wurzach - Die Auftaktveranstaltung zur Visitation der Evangelischen Kirchengemeinde, das Gemeindeforum in der Mensa des Salvatorkolleges, wurde für die besuchenden Kirchenoberen zu einer beeindruckenden Veranstaltung. Kirchengemeinderat, Konfirmanden, Posaunenchor und Kinderkirche stellten sich stellvertretend für die Vielzahl von Gruppen aus der Gemeinde vor.


Pfarrerin Barbara Vollmer sorgte bei ihrer originellen Begrüssung dafür, dass keiner der mehr als 100 Besucher vergessen wurde und dankte allen die bei den Vorbereitungen der Veranstaltung mitgewirkt hatten. Dekan Dr. Friedrich Langsam erklärte in seinem Grusswort, wofür die Visitation stehe, nämlich die Entwicklung der Gemeinde, die diese seit der letzten Visitation 2006 im offenen Gesprächen und mit Besuchen in den Gruppen genommen haben, wahrzunehmen.


Den Auftakt des von Pfarrer Martin Sauer aus Wangen souverän moderierten und von Mitgliedern fast aller in Bad Wurzach vertretenen Konfessionen besuchte Forums, machten die 13 Konfirmanden. Sie erzählten, was sie in ihrem rund ein Jahr dauernden Unterricht alles gelernt und gemeinsam unternommen haben. Die Kirchengemeinderäte der rund 1200 Seelen zählende Gemeinde in Bad Wurzach erklärten, in kurzen Statements sie ihre Beweggründe, warum sie für die Gemeinde tätig sind und in der Mehrzahl auch in Zukuft bleiben möchten, denn demnächst stehen wieder Kirchengemeinderatswahlen an. Aber auch was der Kirchengemeinderat alles geschafft und erlebt hat, z.B. die Renovation des Pfarrhauses, den Pfarrerwechsel, aber auch die Mitübernahme des Mesnerdienstes.

Die Gruppe der Kinderkirche stellte sich per Video vor, in dem die Kinder mit einem „Dingsda-Quiz" pastorale Begriffe erklärten. Der Auftritt des katholischen Jugendchores unter der Leitung von Marianne Schönball leitete zum zweiten Teil des Forums, der Podiumsdiskussion, über. Moderator Sauer fragte die Pfarrerin zu Beginn, was es heisst, in der Diaspora Dienst zu tun. „Dass man z.B. zur Einweihung von Rot-Kreuz-Fahrzeugen oder zur Eröffnung des Naturschutzzentrums eingeladen wird" erklärte sie daraufhin schmunzelnd. Als persönliches Highlight in ihrem ersten Jahr in Bad Wurzach empfindet sie, daß Gemeindemitglieder für die Bibel einen neuen Einband gestiftet haben.

Pater Friedrich Emde, Hausherr und Schulleiter des Salvatorkollegs sagte zum Thema der Diskussion „Die öffentliche Wahrnehmung der Kirchengemeinde" daß am Kolleg Wert darauf gelegt werde, dass Evangelische Religion ein ordentliches Lehrfach sei. Seine persönliche, positive Wahrnehmung begründete er mit der persönlichen Begegnung mit der Pfarrerin auf Veranstaltungen. Auch habe er schon in der evangelischen Kirche gepredigt.

Robert Stützle, als Stellvertreter für Bürgermeister Bürkle, machte in seiner Darstellung einen geschichtlichen Exkurs: Wie er als kleiner Junge feststellte, daß ein Nachbar, ein Vertriebener, in eine andere Kirche ging. Wie ihn Pfarrer Moser in den 70er Jahren als „überzeugter Protestant", der seine eigene Meinung vertrat, beeindruckte. Wiesenfest, Seniorenkreis, Nachbarschaftshilfe ständen für das funktionierende Miteinander.

Der katholische Stadtpfarrer Stefan Maier könne sich gut in die Lage seiner Kollegin versetzen. Man harmoniere gut, die evangelische Kirchengemeinde sei durch Pfarrerin Vollmer „personalisiert".

HGV Vorsitzender Karl-Heinz Buschle zeigte sich überrascht über die Einladung. Er nannte die Kirche einen wichtigen Auftraggeber für das heimische Handwerk. Der Posaunenchor sei ja z.B. beim Weihnachtsmarkt präsent. Als weitere Aktivitäten erwähnte er das Wiesenfest und viele kulturelle Angebote.

Haidgaus Ortvorsteher Franz Ritscher erinnerte als Vertreter der Ortschaften daran, wie schwer es eine evangelische Familie vor dem zweiten Weltkrieg in Haidgau gehabt habe, die regelrecht gemobbt worden sei. Dies habe sich im Laufe der Jahre komplett gewandelt: Mitglieder der evangelischen Gemeinde seien in den Vereinen integriert, seien im Ortschaftsrat aktiv. Der Kindergottesdienst findet ja regelmäßig in der Haidgauer Kirche statt.

Mit dem Hornquartett der Stadtkapelle wurde der letzte Teil des Forums eingeläutet. In sechs kleinen Gesprächsgruppen konnten die Besucher über Fragen diskutieren und selbst Veränderungsvorschläge machen. In kurzen Blitzlichtern wurden die wichtigsten erarbeiteten Erkenntnisse zu „Jugendarbeit – Ist sie nötig?Wie kriegen wir die Aussenorte mit ins Boot? Welche Art von Gottesdiensten wollen wir? Wollen wir diakonische Gemeinde sein? Was steht bei der Kirchenrenovierung an? Was gefällt mir, was fehlt mir in der Gemeinde?" vorgestellt.

Jugendarbeit soll von den Jugendlichen ausgehen, mit persönlicher Ansprache sollen die Gemeindemitglieder von ausserhalb zum mitmachen animiert werden. Die marode Heizung zu richten und um flexibler zu sein, sollten die ersten beiden Bankreihen entfernt werden. Mehr Gottesdienste im Grünen, in Kapellen oder auf der Wiese wurden bei der Art von Gottesdiensten genannt. Die Predigten sollten auch Stellungnahmen zu aktuellen Themen sein. Diakonie sei mit Nachbarschaftshilfe bereiis ausgegliedert. Einen Besuchskreis gebe es bei der evangelischen Gemeinde noch nicht.

Dekan Langsam zeigte sich beeindruckt von der Vielfalt der Aktivitäten und dankte allen, die bei der Vorbereitung des Forums mitgewirkt hatten. Nach der liturgischen Abschlussandacht mit Taizéelementen durch Pfarrerin Barbara Vollmer konnten Visitatoren und besuchte Gemeinde sich mit einem guten Gefühl getrost auf den Heimweg machen.

Bericht und Bilder Uli Gresser

 

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