Waghubinger

Bad Waldsee - Als der sympathische Österreicher am vergangenen Freitag die Bühne betritt hat er einen kleinen Rollenkoffer dabei, ein Bierglas und ein Fläschchen Bier.

Er wirkt nachdenklich, vielleicht sogar ein wenig deprimiert. Fragt höflich, ob da noch ein Platz wär und setzt sich an den Bistrotisch mit Barhocker. Waghubinger – gebürtiger Steyr doch mittlerweile seit 20 Jahren Wahlstuttgarter vergewissert sich, dass es schon in Ordnung sei, mit dem Publikum zu plaudern.

Gerade frisch von seiner Frau getrennt, erzählt er, dass es eigentlich ja gar nicht so einen richtigen Anlass gab – er habe doch nur mal eben den Geburtstag seiner Holden vergessen. Dabei sei sie doch Mitglied bei Greenpeace und er immerhin bei Bertelsmann.

Zwischen den Erzählungen über sein Eheleben, kommt immer wieder die Welt und Bundespolitik zur Sprache. Schließlich sei der Chinese Schuld am Klimawandel, so dass es überhaupt nicht mehr interessant sei, wenn in China ein Reis sack platzt. Dort gibt es denn schon gar keinen Reis mehr, den kann man in Kürze dann bei uns anbauen – nur wegen dem Klimawandel. Und wenn in Holland der Meeresspiegel sinkt, dann werden die Tulpen eben auch bei uns angebaut – dann ist der Weg zum Meer wenigstens nicht mehr so weit.

So ganz spurlos ist sein Theologiestudium auch nicht an ihm vorrübergegangen. Stefan Waghubinger bringt immer wieder kritische Anmerkungen zu Ethik und Lebenseinstellungen. Nicht immer merkt man sofort, was hinter einer Aussage steht  - häufig bemerkt man es erst im Nachsatz. Bemerkungen wie ein Chinesischer Forscher hat 5 Embryonen geklont – das kann nicht sein, wenn ich mir die so anschaue, müssen das viel mehr sein. Sehr treffend äußerte er sich auch zum Sterbetourismus in die Schweiz.

Er hatte auch eine Erklärung warum die Jugendlichen so träge und unmotiviert sind. Sie haben doch die besten Vorbilder, wenn man Kistenweise Krombacher trinken muss um den Regenwald zu retten. Wo ist denn da ein Sinn darin?

Atompolitik war auch ein Thema seiner Philosophien. Nur wenn die letzte Großstadt zerbombt ist und das letzte Bier verstrahlt, merkt ihr, das ihr mit Windrädern nicht zurückschießen könnt.

Waghubinger hält dem Publikum immer wieder den Spiegel vor Augen, und besticht mit schwarzhumorigen Pointen. Keiner möchte wirklich mit ihm tauschen, obwohl er merkt, dass doch so ein bisschen Wahrheit in jedem von uns steckt.

Nach gut zwei Stunden hat man gar nicht das Gefühl dass er schon am Ende sei. Man hätte ihm noch eine gute Zeit zuhören können. Einen großen Lacher erntet er noch kurz vor Schluss, als er vom Begräbnis der Tante spricht, die noch kurz vor Ihrem Lebensende einen Kuchen gebacken hat, den es dann zum Totenmahl gab.

Mit dem Satz „So schlimm ist es bei mir nicht“, verabschiedete er das Publikum in die Nacht und meinte denken sie einfach daran.

 

Text und Fotos Steffi Rist

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