12kornhausBad Waldsee - Etwa 60 Besucher erlebten am Freitagabend im Bad Waldseer Kornhaus ein buntes Bukett literarisch, musikalischer Begegnungen. Als Ideengeber fungierte Kurgeschäftsführer Walter Gschwind. Mit Begeisterung nahm der Museums- und Heimatverein diese Veranstaltung ins Jahresprogramm auf. Vorsitzender Ernst Langer zeigte sich bei der Begrüßung hoch erfreut über den unerwartet zahlreichen Besuch. Bild: Viele Besucher im Bad Waldseer Kornhaus bei "Lyrik trifft Musik"

 

 

Mäuschenstill war es, als Multipercussionist Ralle Fricker mit seinem Hang einen faszinierenden Sound in die prächtige Säulenhalle des Kornhauses zauberte. Das Instrument besteht aus zwei miteinander verklebten Halbkugelsegmenten aus Pang, einem japanischen Stahlblech. Auf der oberen Halbschale befinden sich Klangkörper, die mit Hämmern ins Blech eingearbeitet sind. Das Hang wird waagrecht oder auch senkrecht auf dem Schoß gehalten. Gespielt wird es mit Fingern und Händen, was den Namen ergab: Hang steht in „Berndeutsch“ für Hand.


Lyriker Wolfgang Mach eröffnete seine Autorenlesung mit einer Hommage an den Künstler Thomas Volkwein. Die aktuelle Ausstellung des Waldseer Gymnasiallehrers gebe einen sehr passenden Rahmen für diese Veranstaltung. „Seine Bilder sind manchmal so verrückt wie meine Verse“, bekannte Mach. Mit „Der Papierflieger“ begann er seine romantisch, melancholischen Träumereien über den Herbst. Surreale, ironische Phantasien erweckte „Die Göttin der Finsternis“. Der Verfasser machte sich auch sprachlich so seine Gedanken, wie verzweifelt sich wohl das Ei in Pfanne fühlt, bevor es zum Spiegelei gebraten wird.


Gesellschaftskritisch und weniger zum Schmunzeln stand sein Text „Homs“. Diesen schrieb Mach im Jahre 2015, als er im Fernsehen die Bilder der zerbombten Stadt in Syrien sah. Mit magischem Sound untermalt Ralle Fricker hier die ganze Grausamkeit des Krieges. Die Pause nutzten die begeisterten Besucher bei einem Glas Wein gerne zu Gesprächen mit den Künstlern, auch mit Thomas Volkwein. Liebe, Lust und Leidenschaft beinhaltete seine „Kleine Weltreise“. Sie begann in Bad Waldsee, „Meine kleine Stadt“: „Das Kornhaus, ich liebe es, es hat eine schlichte, zurückgenommene Form. Aber gerade dieses Gegenüber, diese Ambivalenz - Rathaus versus Kornhaus - macht den Charme aus - und über den Dächern der Häuser rezitieren Glocken das Angelus Domini“.


Nach einer Texas-Rundfahrt mit seiner Harley schließlich im Jemen angekommen: „Würde sie gerne pflücken die süße Dattel bei Trunkenheit vor Glück“. Auch kannte Wolfgang Mach „Die spitzigen Gedanken und dem Petticoat“. Über Hamburg dann zurück am Bodensee: „Ach tut mir das Herz so weh, wenn ich im Glas den Boden seh“. Auch bei diesen pulsierenden Zeilen untermalten pochende Klänge und verzaubernde Töne von Ralle Fricker die Worte des leidenschaftlichen Lyrikers.


Brigitte Hecht-Lang zeigte sich am Schluss begeistert von einer gar mystischen Stimmung. Sie lobte die Symbiose von Sprache und Musik des Duos. Hohes Lob kam auch von Renate und Julian Gröschl: „Die beiden Künstler sind Klasse, die hervorragenden Akustik des Kornhauses kam ihnen voll zu Gute. Worte brauchen Raum, um sich entfalten zu können “. Zu aufmerksamen Zuhörer freuen sich bereits auf ein baldiges Wiedersehen/Hören mit Wolfgang Mach und Ralle Fricker.




Bericht Rudi Heilig und Bilder von Ralle Fricker und Wolfgang Mach


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