12umgangmitdemenzBlitzenreute – Therapeut schult im Wohnparkt St. Martinus Ehrenamtliche im Umgang mit Demenzkranken. „Sie erreichen Ihr Gegenüber von Herz zu Herz“ - der Lehrer und Musiktherapeut Martin Kaiser hat im Wohnpark St. Martinus Ehrenamtliche im Umgang mit Menschen mit Demenz geschult. Bild: „Auf Augenhöhe reden“ – Martin Kaiser sprach im Wohnpark St. Martinus über den Umgang mit Menschen mit Demenz 

 

„Alles was ich hier erzähle, probiere ich aus“, versichert Martin Kaiser den Ehrenamtlichen, die im Wohnpark St. Martinus in Blitzenreute gespannt seinem Vortrag lauschen. Damit ihn die drei Dutzend Frauen und drei Männer an den Tischen im Foyer auch gut sehen können, bleibt er stehen. „Im Umgang mit Demenzkranken wäre dies schon der erste Fehler“, erklärt er, „da wollen wir auf Augenhöhe reden“. Martin Kaiser ist gelernter Grund- und Hauptschullehrer sowie Diplom-Musiktherapeut. Er arbeitet als Musiktherapeut im Zentrum für Psychiatrie in Bad Schussenried und als Dozent im Bereich Demenz bei der Gesellschaft für Gerontologische Berufliche Weiterbildung im selben Ort.


Den Ehrenamtlichen der Wohnparks St. Martinus in Blitzenreute und St. Josef in Altshausen, die sich zwei Mal jährlich in einem der beiden Häuser der St. Elisabeth-Stiftung zum Gesprächskreis Ehrenamt treffen, möchte er Handwerkszeug vermitteln für den guten Umgang mit Demenzkranken. Während man im Alltag meist davon ausgehen kann, dass das Gegenüber die Situation versteht, in der man sich gerade befindet, ist dies bei dementiell Erkrankten oft nicht mehr der Fall. Beharrt der „Vernünftige“ dann auf seinem Standpunkt, ruft er bei einem verwirrten Menschen, der sich unsicher oder ängstlich fühlt, Abwehr hervor, was als aggressive Reaktionen empfunden wird. „Je weiter die Demenz voranschreitet, desto weniger taugt die Sprache zur Kommunikation“, erklärt Martin Kaiser. „Der Verstand geht kaputt, das Gefühl hingegen wird wichtiger und gibt ein Fundament“.


Dass jeder die Welt durch die momentane Gefühlsbrille erlebt, veranschaulicht Martin durch Beispiele aus dem Alltag und ermutigt zum Versuch, die Welt aus den Augen des Kranken zu sehen. Fühlt der sich zufrieden, gereizt, geborgen, von Schmerzen geplagt oder misstrauisch? Unbewusst versuchen wir ständig unsere Umgebung zu lesen. Dies bewusst zu tun und den anderen auf der Gefühlsebene zu erreichen, erleichtert den Umgang erheblich. Schaut man durch die Brille des Demenzkranken, findet man auch die angemessene Reaktion auf dessen Gefühlswelt. Braucht der Andere Trost, Ruhe, die Möglichkeit zu schimpfen?


Keine Angst vor Gefühlen

Martin empfiehlt als eine Art Türöffner, einen Moment innezuhalten und ganz bewusst die eigene Befindlichkeit zu verlassen und durch die Brille des Anderen zu sehen, sozusagen von Herz zu Herz zu kommunizieren. Hat man die Tür emotional geöffnet, kann man miteinander umgehen. Hat der Kranke keine Angst, lässt er sich behandeln. Ist er zufrieden, will er dieses Gefühl genießen. Ist er wütend, soll er erst mal seinem Ärger Luft verschaffen. Es gibt dabei kein Mittel, das immer greift, aber mit Einfühlungsvermögen kann man Hilfreiches anbieten.


„Wir haben Angst, den Verstand zu verlieren“, resümiert Martin, „und dabei haben wir oft vor allem Angst vor Gefühlen“. Martin Kaiser benutzt das Wort Validation zwar nicht, aber er beschreibt in Grundzügen genau diese Methode und die Haltung im Umgang mit dementiell erkrankten Menschen. Am Ende des lebhaften, humorvollen Vortrags, bei dem auch die Zuhörer zu Wort kommen, ermutigt er: „Sie erreichen Ihr Gegenüber von Herz zu Herz. Vermitteln Sie, dass sie jetzt gerade Zeit haben. Respektieren Sie seine Gefühle und haben Sie keine Angst, selbst Gefühl zu zeigen. Trauen Sie sich!“



Presseinformation St. Elisabeth-Stiftung Foto: Andrea Reck/St. Elisabeth-Stiftung

 

 

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.