21vernissage

Bad Waldsee - Eine tolle Ausstellung und eine Riesenleistung, was der Waldseer Museums- und Heimatverein auf die Beine stellte und am Sonntag, 21.7. um 11.00 Uhr eröffnete. Gute 180 Gäste bildeten den Rahmen für die Vernissage der Hommage an den Waldseer “Bildberichterstatter“ und Fotokünstler Rupert Leser. Ernst Langer, Vorsitzender des Vereins eröffnete die Ausstellung und begrüßte in erster Linie die Witwe und die Kinder des von zwei Jahren verstorbenen Fotografen. Bild: Knapp 200 Personen kamen zur Vernissage

 

Thomas Fricker, gebürtiger Waldseer und heute Chefredakteur der Badischen Zeitung, Freiburg, fand in seiner Laudatio die richtigen Worte für Lesers Bildschaffen.Verschwindende Welten ist wie eine Zeitreise zurück bis zum Ende der 50er Jahre, als der junge Leser mit Fahrrad, Zelt, seinem Freund und seiner ersten Kamera eine Reise nach Frankreich unternahmen. Leser war damals noch Amateur und nicht der berühmte Fotograf. Aber sein Auge und sein Gespür für Menschen, auf das Fricker in seiner Ansprache öfters einging, ist schon bei seinen frühen Fotos zu sehen.Schwarz/weiß dominiert in der Bilderausstellung.


Und die älteren Leser können sich noch daran erinnern, dass die Farbe erst spät Einzug in die Zeitung fand.Rupert Lesers Bilder sind heute im Haus der Geschichte Baden-Württemberg archiviert. Aus dieser Fülle an Material die Bilder für die Ausstellung auszuwählen und nach Themen zu sortieren, ist sicherlich die größte Leistung der Ausstellungsmacher. Gut, dass sich die Kinder von Rupert Leser intensiv und kenntnisreich einbrachten. Der Ausstellungsbesucher kann sich, nach Themen sortiert, so einfach auf die Reise in die Vergangenheit aufmachen.Mit welchen technischen Mitteln sich der Fotograf damals auf die Bilderpirsch machte, zeigen seine Leica, seine Hasselblad und seine Canon, die im Schaukasten am Ausstellungsanfang zu sehen sind.


Und mit „knipsen“ wie heute war es damals nicht getan. Der Aufnahme folgte die Arbeit im Labor, wo die Filme entwickelt und die „Abzüge“ in einem weiteren Arbeitsschritt belichtet und ebenfalls in verschiedenen chemischen Bädern herausgearbeitet wurden.Erst nach Stunden oder Tagen sah der Fotograf das Ergebnis seiner Arbeit. Sechs große Bilderzyklen umfasst die Ausstellung: Märkte, Pferdestärken, Berufe und Berufungen, verschwindende DDR, Frankreich 1959 und im Land der Bibel 1962. Zu sehen sind „gschtandene“ Viehhändler mit riesigen Bullen, die Händlerinnen vom Wochenmarkt, Bauern vor ihren Kühen, Torfstecher bei der Arbeit, Gespannfahrer mit 12 Pferden auf der Waldseer Bleiche und Gespannfahrer beim Waldseer Grasbahnrennen und noch viele weitere Motive, die Erinnerungen heraufbeschwören.


Verschwindende Welten, denn was Rupert Leser fotografierte, gibt es heute bei uns nicht mehr. Besonders in Bann ziehen die schwarz/weiß Abbildungen. Hier kommt Lesers Auge für die Bildkomposition, für die Grafik, für Kontraste besonders zur Geltung. Und immer, wie Fricker ausführte, sein Gespür für die Menschen, die er porträtierte. Die Ausstellung ist noch bis 29. September zu den üblichen Öffnungszeiten im Museum im Kornhaus zu sehen. Begleitend wurde von Joachim und Markus Leser ein 144-seitiger Katalog mit einer Einführung von Thomas Fricker herausgegeben. Der Katalog kostet 22 Euro. Dieses Geld ist gut angelegt und wer einem Waldseer eine Freude machen möchte, hat damit immer ein passendes Geschenk zur Hand.




Bericht und Bild Erwin Linder

 

 
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