19vortrag wertschaetzungBad Waldsee - „Wertschätzung als Lebenshaltung. Gut mit sich und anderen umgehen“ – so heißt der Titel des neuen Buches von Dr. Beate Weingardt. Und so lautete auch das Thema des kurzweiligen Vortrags, den die Tübinger Psychologin, Theologin und Autorin im Wohnpark am Schloss vor einem fast voll besetzten Saal gehalten hat. Bild: Für jeden Menschen zähle Liebe, Anerkennung und Wertschätzung zu den Grundbedürfnissen, sagt Dr. Beate Weingardt.

 

Mit vielen Beispielen aus dem täglichen Leben gespickt, erläuterte Beate Weingardt, wie wichtig Wertschätzung für jeden einzelnen Menschen und die Gesellschaft ist und gab dazu praktische Tipps, die jeder für eine wertschätzende Haltung erlernen kann. In einer zunehmend respekt- und rücksichtslosen Gesellschaft sei eine wertschätzende Lebenshaltung wichtiger denn je, „damit das Zusammenleben nicht zur Qual wird“, sagte die Referentin. Weingardt unterscheidet die Wertschätzung als Gefühl und als Haltung. Die natürliche Wertschätzung seinen Freunden, Kindern oder dem Partner gegenüber rühre aus einem Gefühl der Liebe und dem Genuss des Vorteils. Denn sie alle machten einem das Leben schöner und leichter.

 

Als größere Herausforderung sieht die Referentin die Variante der Wertschätzung, die vom Verstand geleitet wird, um mit schwierigen oder gar „widerwärtigen“ Menschen umzugehen und ihnen trotzdem etwas Liebevolles zu sagen. Am Beispiel des äußerst schwierigen jungen Hermann Hesse veranschaulichte sie, wie wichtig es sei, dass Eltern auch unbequemen und aufsässigen Kindern Wertschätzung entgegenbringen und es als „geliebtes Kind“ annehmen. Das sei wichtig für die gesunde Entwicklung eines Kindes. Für jeden Menschen – egal ob jung oder alt - zähle Liebe, Anerkennung und Wertschätzung zu den Grundbedürfnissen. Ohne sie gehe er ein wie eine Blume ohne Wasser.

 

Diese Wertschätzung als Haltung sei zwar nicht einfach anzuwenden, aber letztendlich eine Frage des Willens, der Erziehung und des Übens. Mangel an guter Erziehung sieht die Tübinger Psychologin als einen Grund für fehlenden Anstand, Unhöflichkeit und zunehmende Respekt- und Rücksichtslosigkeit in der Gesellschaft. Stress nennt sie als weiteren Grund. „Gestresste Menschen sind nicht sehr wertschätzend“, sagte die langjährige evangelische Pfarrerin. Ihnen fehle die Geduld und Aufmerksamkeit – das gelte auch in der Pflege oder im Krankenhaus.

 

„Vor der Wertschätzung kommt die Einschätzung“, konstatierte die 59-Jährige. Kinder lernen die Fähigkeit, Dinge richtig einzuschätzen erst im Laufe ihres Lebens. Durch übertriebenes Lob überschätzten sich heute viele junge Menschen, kritisierte sie. Kinder brauchen ihrer Ansicht nach eine ehrliche Rückmeldung, damit sie lernen, was gut ist und was nicht.

 

Was alles für eine wertschätzende Haltung nötig ist, das listete Beate Weingardt auf: Sich Zeit füreinander zu nehmen und zuzuhören gehört ebenso dazu wie Toleranz, Einfühlungsvermögen, Aufmerksamkeit und Zuverlässigkeit. Wichtig sei auch die Aufrichtigkeit - wenn man dem anderen „in Liebe und mit Feingefühl“ auch kritisch die Wahrheit sagt. Weiterhin zählen Treue, Opfer- und Vergebungsbereitschaft dazu sowie das Bemühen, seine Versprechen einzuhalten. Anerkennung und Zuneigung solle man auch in Worten mitteilen. Voraussetzung für eine wertschätzende Haltung sei es, sich selbst zu schätzen. Wer fähig sei, Dinge oder Menschen wertzuschätzen, sei zufriedener und dankbarer und ernte mehr Lebensfreude und Lebensqualität. „Glaube unterstützt die Wertschätzung“, sagte die Theologin. Der Mensch sei wie eine Blume, die man pflegen müsse. Sie zeichnete das Bild von Gott als Gärtner, der sich um jeden einzelnen Menschen kümmert. Das gebe ihm das Gefühl, Gott wichtig zu sein.

 

 

Pressemitteilung der St. Elisabeth-Stiftung

Foto: Kohler-Jungwirth/St. Elisabeth-Stiftung

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