Leserbrief 300.jpg Bad Waldsee (Offener Brief) - Sehr geehrter Herr Brecht!
Ich schreibe Ihnen diesen Brief und wähle die Form des „Offenen Briefes“, weil ich denke, dass es sich um eine öffentliche Angelegenheit handelt.

Beim Löschen alter Mails ist mir Ihre Einladung zu einer Parteiveranstaltung der CDU am 13.5. nochmals auf meinem Bildschirm erschienen.

 

 

Offener Brief an den Stadtseniorenrat Bad Waldsee
z.Hd. Vors. Herrn Brecht

Eine kleine Wahlnachlese

 

Sehr geehrter Herr Brecht!

Ich schreibe Ihnen diesen Brief und wähle die Form des „Offenen Briefes“, weil ich denke, dass es sich um eine öffentliche Angelegenheit handelt.

Beim Löschen alter Mails ist mir Ihre Einladung zu einer Parteiveranstaltung der CDU am 13.5. nochmals auf meinem Bildschirm erschienen.

 

Sie „informieren“ mich in dieser Mail im Namen des Stadtseniorenrats und mit Briefkopf desselben über eine Veranstaltung mit “ Vorstellungsrunde“ der örtlichen CDU-Fraktion „anlässlich der Kommunal- und Kreistagswahlen“, „speziell für Seniorinnen und Senioren“ im Cafe des Wohnparks am Schloss. Wir Senioren mögen doch kommen und unsere Fragen stellen. Denn „nach den Wahlen sei es zu spät“ Antworten zu erhalten. Außerdem sei es doch interessant, „was man eigentlich in der nächsten Periode für ältere Menschen tun möchte“.

 

Zwei Fragen. Erstens: Wer ist „man“? Sie meinen doch offenbar, was die CDU zu bieten hat, denn andere sind ja nicht eingeladen. Und zweitens: Warum sollte es nicht auch nach der Wahl möglich sein, Antworten auf die Fragen der SeniorInnen zu erhalten? Es sei denn, man hat keine Antworten. Immerhin hat der Seniorenrat Anhörungsrecht im Gemeinderat.

Sie schließen Ihre „Information“ mit dem Satz „Der SSR-Vorstand würde sich über eine rege Beteiligung bei kostenlosem Kaffee und Kuchen sehr freuen“ und grüßen freundlich als „Vorsitzender, Stadtseniorenrat Bad Waldsee“.

Im Internet stellen Sie auf der Stadtseite Bad Waldsee den Seniorenrat und seine Arbeit vor und schreiben u.a. „wichtig dabei ist, dass er (der Seniorenrat, d. Verf.) politisch und konfessionell neutral arbeitet“.

 

Für mich war und ist es sehr befremdlich, wie Sie sich und den Seniorenrat mit dieser Mail zum Wahlhelfer der CDU machen, also gerade nicht „neutral arbeiten“. Dazu nutzen Sie den Seniorenrat und seine Mailkontakte. Dieselbe Wahl-Werbung findet sich unter der Überschrift „Seniorenrat“, allerdings gekürzt, im Amtsblatt der Stadt: „Anlässlich der Kommunalwahl stellen sich die CDU-Kandidaten am kommenden Montag, 13.5. …“.

Ich finde, das ist so nicht in Ordnung, Herr Brecht.

 

 

Ich denke, dass Sie mit Ihrer Mail Ihr selbst formuliertes Neutralitätsgebot verletzt haben. Und das recht unbeschwert und wie selbstverständlich. Denn, es standen Kommunalwahlen an, und die Parteien kämpften um Stimmen, auch die Stimmen der Seniorinnen und Senioren dieser Stadt. Es handelt sich bei Ihrer Mail also nicht um eine Information über die nächste Sprechstunde oder eine Veranstaltung über Patientenverfügungen oder Vorsorgevollmachten.

Der Seniorenrat kann und soll sich sehr wohl in die politischen Angelegenheiten vor Ort einmischen. Es gebietet aber die Fairness und die selbst auferlegte Neutralität dies in Wahlzeiten z.B. mit einer Podiumsdiskussion oder mit Wahlprüfsteinen zu realisieren, bei der alle Fraktion im Gemeinderat ihre Vorstellungen darlegen können. Schade, dass Sie diesen Weg nicht beschritten haben. Es wäre sicher spannend gewesen zu hören, welche Vorstellungen die im Gemeinderat vertretenen Fraktionen für die „Generation 60+“ präsentieren.

So aber hat die CDU Fraktion Sie um Wahlhilfe gebeten, und Sie haben sie gewährt, nicht als Privatmann, sondern als Vorsitzender und im Namen des Seniorenrates.

Deshalb habe ich an dieser Veranstaltung nicht teilgenommen.

 

Ich bitte Sie, mir und den Mitgliedern zu erklären, wie es zu dieser Mail kommen konnte und wie Sie die Dinge sehen. War es unbedacht, ein Fauxpas, aus Versehen oder für Sie eigentlich kein Problem, weil nur eine „Information“?

Ihrer Antwort entgegensehend verbleibe ich mit
freundlichen Grüße Ihr Senior
Bernd Zander

Diesen Brief erhalten Frau Jäger und Herr Maucher, als Ansprechpartner der Stadt, die Schwäbische Zeitung in Kopie.

 

Einladungsschreiben des Stadtseniorenrates

 

 

Bernd Zander
88339 Bad Waldsee

 

Ihr Leserbrief zu diesem Thema

 

 

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok