Bad Waldsee – Nach „unorthodox und farbig“ bei Pola Polanski hat Axel Otterbach mit dem Fotokünstler Kees Tillema schon wieder ein absolutes Highlight in die Kleine Galerie gebracht. Diesmal klassische Fotokunst, analog und schwarz-weiß mit der Mittelformatkamera aus der Hand aufgenommene Akt-Fotografie. Darf man angesichts der aktuellen „Me-too-Debatte“ so eine Ausstellung überhaupt noch machen und dass mitten im katholischen Oberschwaben, Fleischbeschau in der Fastenzeit? Ja, die Kunst ist frei und man darf oder besser, man sollte das sogar machen.

 

Viele denken wohl genau so, sind doch unzählige Kunstliebhaber aus nah und fern an diesem Sonntag in die kleine Galerie ins Haus am Stadtsee gekommen. Selten hat man bei einer Eröffnung so viele Köpfe gezählt. Die Einführung durch Klaus Bodemeyer, früher Professor für Kunsterziehung an der PH in Weingarten, war ja alleine schon die weiteste Reise wert. Seine Ausführungen zur Fotokunst und auch zum Werk von Kees Tillema waren ganz unbeschreiblich richtig und dabei auch noch rhetorisch brillant vorgetragen.

 

Er spannte den Bogen von einem Essay von Susan Sontag, über eine aktuelle Klee-Ausstellung in der Fondation Beyeler, den Philosophen Günther Anders bis zu den Arbeiten von Kees Tillema. „Keine Reproduktion, sondern die Transformation“, so Bodenmeyer, dass macht die Arbeit von Tillema aus.

 

Interessant auch der Vergleich zwischen Maler und Fotograf. „Bei beiden spielt sich ein Dialog der Sinne zwischen Modell und Künstler ab. Wochen oder sogar monatelang tastet sich der Maler in vielen kleinen Schritten an die Vollendung seines Werkes heran, beim Fotograf ist es eine subjektive Sehweise und ein blitzschnelles intuitives Erfassen mit der Kamera“, so Bodenmeyer.

 

Der 1943 in den Niederlanden geborene Tillema lebt jetzt in Kressbronn am Bodensee. Er nennt seine Werke selbst „Bilder aus einem poetischen Raum“. Er arbeitet im Studio, setzt extrem schnelle Studioblitze gegen Langzeitbelichtung und erreicht so seine unnachahmliche künstlerische Sprache. Er inszeniert wunderbare Lichtstimmungen, bringt die Körperformen auf ungewohnte Weise zum Wirken und arbeitet in seinen Akt-Fotografien auch intensiv mit der sonst fast unbeachteten Struktur der menschlichen Haut.

 

Grandiose Fotokunst, absolut sehenswert!!


Die Ausstellung im Haus am Stadtsee, Wurzacher Straße 53, dauert noch bis 22. April 2018 und ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

 

Text und Bilder derWALDSEEer Oliver Hofmann

 

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