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Ravensburg – Im April spielte er bei Barack Obama in Weißen Haus, Till Brönner, aktuell der einzige deutsche Jazzer, der auch international erfolgreich und gefragt ist. Am Dienstag spielte er im restlos ausverkauften Konzerthaus in Ravensburg und lieferte einen tolle Show ab und begeisterte seine Fans bis zu „Standing Ovations“ bei den Zugaben.

 

Für einen Jazzer ist Till Brönner und seine Band mit einem unglaublich aufwendigen Bühnenaufbau auf Tournee. Geschuldet ist dies ganz bestimmt dem riesengroßen Erfolg den der 45-jährige Trompeter und erfolgreichste deutsche Jazzmusiker inzwischen hat. Bei dieser Tournee wird er begleitet von Mark Wyand am Saxophon, Jasper Soffers an den Pianos, Jan Miserre an den Keyboards, Bruno Müller an der Gitarre, Christian von Kaphengst am Bass und David Haynes an den Drums.

 

Die perfekt eingespielte Band startet mit einer Filmmusik, dem Titelsong aus „Die drei Tage des Condor“ von Dave Grusin. Einige Momente später betritt Till Brönner die Bühne. Man muss sich fast die Augen reiben, seine smarte Erscheinung erinnert fast an den jungen Frank Sinatra. Engsitzendes schwarzes Sakko, lässiges offenes weißes Hemd, er könnte auch als Model arbeiten, er schaut einfach klasse aus.

 

Als nächstes kommt ein Stück des amerikanischen Gitarristen Wes Montgomery aus dem Jahr 1965, „Bumpin“, gefolgt von einer Eigenkomposition von Brönner, „42nd & 6th“. Till Brönner ist ein herausragender Trompeter mit einer Phrasierung auf Weltklasse-Niveau, aber irgendwas stört an diesem Abend. Beim nächsten Song wird es dann ziemlich deutlich, „Once upon a summertime“, einer wunderbaren Melodie von Johnny Mercer und Michel Legrand, Brönners kongenialer Mitmusiker Mark Wyand spielt auf der Querflöte und das Ganze ist mit synthetischen Streichern unterlegt.

 

Das klingt doch ziemlich nach „Easy-Listening“, böse Zungen sagten auch schon „Fahrstuhlmusik“ dazu, es ist alles sehr „glattgebügelt“, hat noch einige Anleihen an den Fusion-Sound der 80er Jahre, mit Wah-Wah-Gitarreneffekten und Echo und synthetisch verfremdeter Trompete von Till Brönner.

 

Nach der Pause startet Till Brönner mit dem Titelsong seiner aktuellen CD „The good life“ einem tollen Stück des Franzosen Sacha Distel. Gut gespielt, aber schon ein bisschen seicht das Ganze. Als er dann den Jazzklassiker „Sweet Lorraine“, ebenfalls von der aktuellen CD, anstimmt, dann enttäuscht Till Brönner richtig, er sieht zwar wie ein cooler „Crooner“ aus, die Stimme ist aber ziemlich dünn und zerbrechlich und es bleibt dann auch an diesem Abend bei dieser einen Gesangsnummer.

 

Versöhnt werde ich erst wieder beim offiziell letzten Stück des Abends, der Eigenkomposition „A distant episode“, wo ich nur eines dazu sagen kann, einfach wunderschön und perfekt dargeboten!

Wenn man Till Brönner auch kritisieren kann, eines muss man ihm neidlos zu Gute halten, er begeistert mit seinem „Soft Jazz“ die Massen, verkauft seine CD´s und füllt die größten Konzertsäle. Das Ravensburger Publikum jedenfalls goutiert seinen Auftritt im Konzerthaus mit frenetischem Beifall und stehenden Ovationen.

 

Text und Bild von Oliver Hofmann

 

Viele Fotos von diesem Konzert unter dem nachfolgenden Link.

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