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Ulm – Am letzten Freitag waren zwei große Legenden des Jazz im Jazzkeller Sauschdall in Ulm zu Gast. Der 84-jährige Trompeter Duško Goykovic und der 82-jährige Bebop-Sänger Willy Johanns wurden vom Ulmer Drummer Peter Gruber, dem Münchner Pianisten Tizian Jost und dem Bassisten Frantisek Uhlir aus Prag begleitet. Die beiden Herren lieferten ein unvergessliches und grandioses Konzertereignis ab. (Im Bild v.l.n.r. Willy Johanns, Frantisek Uhlin, Duško Goykovic)

 

Mit über 150 Besuchern war Ulms legendärer Jazzkeller sehr gut besucht und die Erwartung auf dieses Konzerthighlight war förmlich in der Luft zu spüren. Hat doch Willi Johanns eine ganz besondere Beziehung zu Ulm., er ist nämlich dort aufgewachsen und auch die Verbindung zum Ulmer Drummer Peter Gruber ist eine Besondere, die beiden kennen sich schon seit 60 Jahren. Gruber war gerade mal dreizehn Jahre alt, als der junge Johanns in den Ulmer US-Clubs seine Karriere als Sänger startete und damals mit seiner Band im Wohnzimmer seiner Eltern geübt hat. Zum Singen kam Johanns übrigens, weil sein Vater Musiker war, der hatte ihm deshalb verboten ein Instrument zu lernen, also blieb nur der Gesang für ihn übrig.

 

Mit einer Hommage an Duke Ellington und dem Stück „It don´t mean a thing“ startete das Quartett und legte mit „You are my Everything“ noch ein weiteres Highlight von Miles Davis nach. Willy Johanns brachte dann schon bei seinem ersten Lied, dem Klassiker „Embrace me“ die Zuschauer zum Staunen. Einfach überirdisch, was Johanns mit seiner Stimme macht, welches Rhythmusgefühl er an den Tag legt und wie er zwischen Melodie und Rhythmus seinen Scat-Gesang einsetzt. Er ist unbestritten der beste deutsche Jazzsänger, manche behaupten sogar, er sei der weltbeste und dem wird er an diesem Abend durchaus gerecht. Das beweist er dann auch im nächsten Song, „Straight no chaser“ dem grandiosen Jazzstandard von Thelonius Monk.

 

In der Pause merkt man es schon, dies ist an diesem Abend wirklich eine Sternstunde des Jazz und fast alle Zuschauer sind dabei im Jazz-Himmel angekommen. Auch angesichts des betagten Alters dieser beiden Altmeister werden solche Konzerte wohl immer seltener stattfinden und manch einer ist sich dieser Ehre bewusst, dem heutigen Abend beiwohnen zu dürfen.

 

Mit dem melodischen „Satin Doll“ von Duke Ellington und Billy Strayhorn geht es in den zweiten Teil des Abends. Johanns setzt im Scat-Gesang seine Stimme mehr wie ein Instrument ein, inspiriert hat ihn zum nächsten Stück der Trompeter Clark Terry mit seiner unnachahmlichen Spielweise und es ist fast unbeschreiblich, was er im Stück „Dirty Blues“ für Stimmakrobatik vollbringt.

 

Duško Goykovic, bis heute einer der weltbesten Jazz-Trompeter, war schon in den 50er Jahren in Amerika und hat dort Miles Davis getroffen und auch mit ihm gespielt, ihm widmet er seine Eigenkomposition „Ballad für Miles“. Es ist kaum vorstellbar, was er in seinem Alter an der Trompete noch für einen Ansatz spielen kann, er ist heute zweifellos noch in der Liga eines Miles Davis.

 

Willy Johanns erinnert sich genau, am 7. März 1953 hat er Dizzy Gillespie in München gehört, sogar die Eintrittskarte hat er noch, Dizzy hat damals nicht nur Trompete gespielt, sondern auch gesungen, genauso wie er, hatte er danach beschlossen, wollte er ab jetzt singen. Mit seiner Eigenkomposition „Scatting“ zollt er diesem einschneidenden Erlebnis seinen Tribut und manifestiert nochmals seine außergewöhnliche Klasse als Bebop-Sänger.

 

Absoluter Höhepunkt des Abends wird dann unversehens die Zugabe. Willi Johanns stimmte ein Lied aus dem Jahre 1940 von Theo Mackeben an, „Bei dir war es immer so schön“. Kein Scat, kein Bebop, er sing den Text dieses wunderbar romantischen Liedes – einfach grandios! Einigen Zuschauern sind buchstäblich die Tränen gekommen und auch bei Willy Johanns meinte ich „feuchte Augen“ ausgemacht zu haben. Man kann das wahrscheinlich nur so authentisch singen, wenn man über Achtzig Jahre alt ist und so ein erfülltes Musikerleben hinter sich hat. Ein denkwürdiger Abend!

 

Text und Bild von Oliver Hofmann

 

Viele Fotos von diesem denkwürdigen Abend unter dem nachfolgenden Link.

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