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Bad Waldsee
- Wir haben einen Interview-Termin am Nachmittag während des Aufbaus. Eine strahlende Danielle Zimmermann kommt mir entgegen, die mich sehr warmherzig begrüßt. Mit ihrem Lächeln, den klaren Antworten und Ausführungen, mit ihrer positiven Ausstrahlung muss ich an ein Zitat von Audrey Hepburn denken „I believe in pink...... I believe that happy girls are the prettiest girls“

 

Beschreiben Sie in ein paar Sätzen den Titel Ihrer Ausstellung „kokett-weich-zuverlässig“.
Diese Begriffe kommen aus der Werbung. Es sind Material-Attribute. Ein Supermarkt verkauft die Marke „kokett“ und bei einem anderen Supermarkt wird das Produkt happy als „weich und zuverlässig“ präsentiert. Aus diesen Adjektiven entstehen Wortspiele, die zum Denken anregen, wenn man meine Arbeiten mit den Kartonagen, die normalerweise Wegwerfprodukte sind, betrachet. Seit längerem inszeniere ich Selbstportraits mit Perücken, und diese drei Begriffe passen ebenfalls wunderbar zum Thema „Frau“.


In Ihrem Lebenslauf steht, dass Sie vor Ihrem Studium der bildenden Künste eine musikalische Ausbildung in Gesang, Violine und Klavier absolviert haben.
Wie kam der Wechsel von der Musik zur bildenden Kunst?

Absolviert kann man nicht sagen. Mit 6 Jahren begann ich Geige zu spielen, später auf dem Gymnasium hatte ich Leistungskurs Musik. Mit 16 Jahren überlegte ich, ob ich Musik oder Kunst studieren sollte. Damals war ich in einer Band, den „String Angels“ und wir spielten Tango und Czardas. Performance mit Gesang. Jedoch habe ich mich letztendlich für die Kunst entschieden. Wobei ich bis heute Geige spiele und immer wieder mal Gesangsunterricht nehme.


Sie haben mittels eines Stipendiums in New York studiert. Wie war die Zeit dort und was konnten Sie an Eindrücken aus der dortigen Kunstwelt mitnehmen?
Ich hatte bereits den Platz für ein Jahr Lehramt an der Kunstakademie, beworb mich jedoch gleichzeitig für das Stipendium. Das war ein heisses Eisen, denn den Platz für das Lehramt hatte ich sicher, wollte aber auch gleichzeitig nach New York. Nach einem Jahr langer Prozedere, und noch pünktlich vor dem Lehramts-Auftrag, bekam ich dann die Zusage und studierte Computergrafik und Interaktive Medien in New York. Da Verpackungen für mich bereits ein großes Thema waren, hatte ich mit meinen 29 Jahren gegenüber den anderen viel jüngeren Studenten den Vorteil, daß ich keine neuen Ideen finden musste. Fasziniert hat mich diese Stadt sehr, mit Ihren Leuchtreklamen, Werbebannern, bunte, schrille Verpackungen jeglicher Art. Mit fünf Studenten, ebenfalls aus dem Ausland, haben sich tiefe Freundschaften entwickelt und ich fliege seit 14 Jahren einmal im Jahr nach New York, um meine Freunde zu treffen.

In Ihren Kunstwerken nehmen Sie u.a. aktuelle Themen aus der Werbung auf. Gibt es noch weitere Quellen, aus der Sie die Kraft und die Ideen für neue Kunstwerke schöpfen?

Die Ideen kommen mit den Menschen. Auf Reisen, in Großstädten.... aber auch die Natur gibt mir Inspiration für meine Bilder. Ich tanze gerne, ich gehe gerne aus, ich singe sehr gerne, auch hier kommen mir Ideen.
Und wenn ich in Supermärkten oder Geschäften bin, sind es auch die Verpackungen, die mich auf Ideen bringen. Dann räume ich die Produkte aus den Verpackungen und nehme die leeren Kartons mit. Das sieht manchmal so aus, als wäre ich eine Angestellte des jeweiligen Discounters. Ich gehe in Ausstellungen, wo die Kunstwerke der Renaissance ausgestellt sind. Diese Epoche interessiert mich sehr, ich kann viele Themen in die heutige Zeit einbauen.

Mit welchem Künstler würden Sie gerne ein Interview machen?
Mit Hieronymus Bosch. Er war ein niederländischer Maler der Renaissance. Bei seinen Bilder meint man, er hätte unter Drogeneinfluss oder Ähnlichem, gemalt. Die Bildvielfalt und die abgebildeten Einzelteile faszinieren mich sehr.

Was raten Sie Menschen, die sich selbst als künstlerisch begabt empfinden, aber nicht genau wissen, ob die Begabung zu einem Studium der Kunst ausreicht?

Ich bin Lehrerin am Schickhardt-Gymnasium in Herrenberg und unterrichte 250 Schüler. Man erkennt bereits mit dem Arbeiten der Kinder bzw. Schüler, welches Potenzial bei jedem einzelnen für die Kunstrichtung vorhanden ist. Und das wird unterstützt und gefördert.
Und selbst wenn ein nicht so begabter Schüler Kunst studieren möchte, so würde ich ihm sagen: Mach’ das! Es ist wichtig, die eigenen Träume, die Motivation, zu leben.


Die Kleine Galerie gibt es seit 1965. Die Leitung hat Axel Otterbach seit 1986. Wie haben Sie sich kennengelernt?

Tobias Schrade, Galerist, hatte meine Bilder auf der Kunstmesse in Karlsruhe bereits im 5. Jahr ausgestellt. Axel Otterbach hatte seinen Stand genau gegenüber. Und irgendwann sagte mir Tobias, ich solle doch Axel Otterbach bezüglich einer Ausstellung kontaktieren. Und so haben wir uns kennengelernt.



Was darf auf keiner Ihrer Ausstellungen fehlen?
Sie meinen etwas wie einen Talismann? Meine Ausstellung ist nur perfekt, wenn ich meine Performance mit Verkleidung und Gesang mache. Das gehört dazu. Das gehört zu mir.

Vervollständigen Sie bitte....:

in meiner freien Zeit...
male ich gerne

ich wünschte, ich könnte...
mehr Zeit haben

Schönheit bedeutet für mich...
authentisch sein, lachen

Bad Waldsee ist...
eine schöne Erinnerung an meine Jugend. Meine Großeltern haben hier gelebt und meine Tante und mein Onkel leben immer noch hier. Ich habe in Waldsee meinen ersten Auerbachsprung vom Sprungturm im Freibad gemacht.



Vielen Dank für Ihre Zeit, Frau Zimmermann und für das sympathische Gespräch!
Ich danke Ihnen für die sympathischen Fragen!

Die Ausstellung ist in der „Kleinen Galerie“ noch bis zum 21. Februar 2016 zu sehen.
Weitere Infos über die Künstlerin bei: www.galerie-tobias-schrade.de

 

Bilder und Interview von Brigitte Eitler

 

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