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Reute - Ehrenamt „live“ erleben konnte Petra Krebs (Bündnis 90/Die Grünen) bei einem Treffen der Verantwortlichen der Solidarischen Gemeinde im Seminarraum in der alten Schule. Mit etwas Stolz begrüßte der Vorsitzende Konstantin Eisele die Landtagsabgeordnete am Freitagvormittag.

 

Gerne berichtete er von den vielen Aktionen der Ehrenamtlichen in der Solidarischen Gemeinde.
Hervorgegangen ist die Solidarische Gemeinde aus dem früheren Krankenpflegeverein. Im Jahre 2013 wurde zusammen mit der politischen Gemeinde, den Kirchen, des Klosters, der Caritas, der Organisierten Nachbarschaftshilfe und der Sozialstation „Gute Beth“ die “Initiative Solidarische Gemeinde“ gegründet und 2015 in die „Solidarische Gemeinde Reute-Gaisbeuren“ überführt. Dabei verblieb der Verein auch weiterhin unter dem Dach der katholischen Kirche. Im März dieses Jahr wurde er in einen eigenen eingetragenen Verein umgewandelt.

 

Mit Staunen vernahm die Abgeordnete die vielseitigen Angebote der Solidarischen Gemeinde. Sie reichen vom Besuchs-, Fahr- und Begleitdienst über einen wöchentlichen Singkreis, monatliches Wandern, Kursangebot „Lebensqualität im Alter“ bis hin zum „Café Miteinander“.

 

Mit Geldern aus dem Landesprogramm „Gemeinsam sind wir bunt“ und entsprechenden Eigenleistungen konnte der neue Seminarraum mit einen Kostenbudget in Höhe von 45000 Euro geschaffen werden. Auch das kostenfreie WLAN auf dem Dorfplatz Reute konnte eingerichtet werden. Gerne nutzen vor allem die Asylbewerber dieses Angebot. Während Franz Zembrot sein Engagement in Sachen „Heimatpflege“ kundtat, erhielt Franz Lämmle Beifall für seine Erstellung von zwanzig Ruhebänken.

 

Themenschwerpunkt war die Frage, wie Pflege und Betreuung zuhause und Unterstützung der Pflegenden Angehörigen durch weitere Angebote im Alltag im Rahmen der Pflegestärkungsgesetze und der Unterstützungsangebote-Verordnung verbessert werden könnte. Die hierfür notwendigen Zertifizierungen (für jedes Angebot separat nötig) und Fortbildungspflichtzeiten stellen eine große Hürde dar.

 

Petra Krebs, in ihrer Fraktion für Gesundheit und Pflege zuständig, kennt dieses Thema. Sie bot ein weiteres Gespräch und ihre Hilfe an. Barbara Mathes, Betreuungskraft im städtischen Pflegeheim berichtete auch, dass derzeit in Bad Waldsee keine Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung stehen.

 

Angehörige müssen hier oft viele Kilometer Wegstrecke in Kauf nehmen. Ein Überbrückungsangebot für aus dem Krankenhaus entlassene, noch betreuungsbedürftige Patienten soll geschaffen werden. Während die letzten Jahre laufend Pflegerinnen aus Osteuropa in Reute-Gaisbeuren für eine 24-Stunden-Pflege eingesetzt waren, ist dieses derzeit kaum mehr der Fall. Nicht alle Familien können diese doch sehr beachtlichen Kosten dafür stemmen.

 

„Gibt es hier am Ort ein ausreichendes Angebot für ein barrierefreies Wohnen im Alter“, die Abgeordnete nahm auf diese Frage zu ihrer Überraschung zur Kenntnis, dass derzeit in der Elisabeth-Achler-Straße auf zwei Projekte verteilt in Kürze 30 Wohnungen dieser Art erstellt werden. Auf den Einwand, dass hier ein Erwerb sehr teuer sei, ermunterte Petra Krebs Betroffene, sich doch mit dem Gedanken einer Veräußerung der bestimmt zu großen Wohnung zu beschäftigen. In den meisten Fällen würden auch die Angehörigen bei der heutigen guten Verkaufssituation diesen mutigen Schritt befürworten. Irmgard Jacob berichtete von solch einem Fall in der Verwandtschaft, deren Abwicklung sie selbst aktiv begleitete.

 

Ortsvorsteher Achim Strobel wünschte sich, dass auch der Seminarraum inclusive der Toiletten in der alten Schule barrierefrei zugänglich umgerüstet werden könnte. Auf die Frage nach Möglichkeiten zur Benützung eines freien Schulraumes in der Durlesbachschule verwies Bürgermeister Roland Weinschenk auf eine derzeit noch nicht abgeschlossene Langzeitplanung.

 

Am Schluss des 90-minütigen Erfahrungsaustausches sprach Konstantin Eisele sein Amt als Vorsitzender der Solidarischen Gemeinde an: „In den letzten zehn Jahren hat sich meine Arbeit hier um ein Vielfaches erhöht, der Einsatz eines Geschäftsführers auf Teilzeitbasis wäre sehr wertvoll“. Auch hat hier Eisele seine mögliche Nachfolgeregelung in drei Jahren im Fokus: „Beim derzeitigen Arbeitspensum würde sich nicht so leicht jemand dafür gewinnen lassen“.

 

Hier kam die politische Bitte an Petra Krebs, sie wolle sich doch für die Aufnahme der Solidarischen Gemeinde beim neuen „Sonderprogramm Quartier“ der Landesregierung stark machen. „Ich bin total begeistert und fasziniert von diesem hohen und vielseitigen Engagement in Reute-Gaisbeuren, es hat absolut Vorbildcharakter“, lautete anerkennend der Schlusssatz von Petra Krebs.

 

Text und Bilder von Rudi Heilig

 

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