VortragReute-Gaisbeuren - Am Abend des Leonhards Festes in Gaisbeuren fanden sich viele Bürger aus Reute und Gaisbeuren ein um dem Vortrag von Stadtarchivar Michael Barczyk zu lauschen. Doch auch aus Nachbargemeinden kamen interessierte – nicht zuletzt auch Ortsvorsteherin von Haisterkirch – Rosa Eisele.

Musikalisch umrahmt wurde der Abend von dem Klarinettentrio des Musikvereins Reute Gaisbeuren. Die Leitung übernahm Daniel Maucher. Weiter an der Klarinette Antonia Bucher und Peter Cambrè.

 

Achim Strobel hat derzeit die Aufgabe viele neue Traditionen in der Gemeinde kennenzulernen. Schwungvoll und bravurös bewerkstelligt er dies. Niemanden hat er vergessen, der zum Gelingen des Festes beigetragen hat.

Unter den Gästen waren unter anderem auch Helmut Kiefel Landtagsabgeordneter i.R. sowie auch ein weiterer Ruheständler – Pfarrer Karl Eiberle – der sich aber gerne für das Leonhardfest eine Auszeit vom Ruhestand genommen hat. So feierte er mit den Gläubigen am heutigen morgen den Festgottesdienst in der St. Leonhards Kirche in Gaisbeuren. Bereits hier nahm er Bezug auf den heutigen Abend im Psalm 18 - HERR, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz!

Michael Barczyk verstand es wieder einmal mehr, die Zuhörer in den Bann zu ziehen. Der ganze Saal lauschte andächtig seinen Ausführungen. Was fällt einem zuerst ein wenn man an Burgen denkt? Genau – die Waldburg, Neuschwanstein, Burg Lichtenstein … die Vorstellungen reichen über Burggeist, Gespenster, Burgschätze, Burgfräulein und mehr. Doch 99 % der Burgen sind gar nicht so wie wir sie aus Berichten Bildern und unseren Vorstellungen kennen.

Die meisten Burgen stammen aus dem Mittelalter, wo es kaum Aufzeichnungen gab. Zudem gibt es nur noch wenige Zeitzeugen die man sichtbar erkennen kann. Jedoch wenn man dann genauer hinschaut und weiß nach was man schauen muss, wird einem so manches klar.

Die Burgen um die es sich handelt, nannte man Turmburgen. Sie werden so bezeichnet, da sie im Wesentlichen aus einem wehrhaften Turm oder turmähnlichen Bau bestehen. Somit ist auch der Unterschied von einer Turmburg zu einer Motte (Turmhügelburg) erkennbar. Diese wurde nämlich auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel errichtet. Es gab aber auch Motten, die zu Turmburgen umfunktioniert wurden.

Im 11./12. Jahrhundert wurden die Turmburgen zum ständigen privaten Wohnsitz vieler Herren. Ab dem 15./16. Jahrhundert etwa wurden die Turmburgen immer mehr verlassen und entweder zu Kirchtürmen umfunktioniert oder abgerissen und die Steine zu Baumaterial hergenommen. Viele Ortsnamen begründen sich heute noch auf diese Zeit. Die Orte wurden nach den Bewohnern der Herren benannt wie z.B. die Herren von Dankestweiler, die Herren von Magenhaus, die Herren von Möllenbronn.

Orte welche eine Maierhofgasse oder Maierhofstraße haben, sind meist auch ein Indiz für eine ehemalige Burg.

Anhand einer Feinzeichnung von Barczyk ließ sich auch gut erkennen, wie so eine Turmburg aufgebaut war. Sie war umgeben von einer Mauer. Wer durch den Eingang das Burggelände betrat, musste erst mal links um den Turm herumlaufen, bevor er über eine Leiter in den ersten Stock gelangte um in den Eingang zu kommen. Diese Leiter war jederzeit entfernbar und schütze so die Bewohner.

K800 IMG 8624          Feinzeichnung Michael Barczyk von einer Turmburganlage

Sehr interessant war, dass die Gesellschaft sich gegenseitig ergänzt hat und es ein gutes Miteinander und kein Gegeneinander gab.

Am 21. November erscheint ein Buch über Burgen und Schlösser der Region wo auch Michael Barczyk Mitautor ist.

Nun fragt sich jeder wo standen sie denn unsere Burgen – in Michelwinnaden kein  Problem – hier ist die Burg noch sichtbar, aber wie sah es denn um Reute und Gaisbeuren aus?

Nehmen wir Reute – hier stand die Burg auf dem Klosterberg – gut sichtbar auf einem Bild von 1602. Wenn man heute nun vor dem Kloster steht und am Hintereingang zum Gut Beth Altar den Übergang betrachtet ist dieser noch aus der Zeit der Turmburg herrührend. Allerdings architektonisch verändert. Zudem fehlt der zweite Turm, der durch den Klosterum- und Neubau verschwand.

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In Gaisbeuren zeugt heute der Kirchturm von der Tumburg. Betrachtet man die Tür zur Sakristei, so findet man darüber ein Fenster – wieso in den Kirchraum wird sich mancher fragen – weil dies der ehemalige Eingang zur Turmburg war und die Kirche um diesen Turm herumgebaut wurde.

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Ziehen wir weiter im Gemeindebereich so finden wir in Obermöllenbronn noch Reste eine Motte – ein aufgeschütteter Hügel. Heute findet man ein Fachwerkhaus darauf. Die Mühle als Nachbar zeugt ebenso von der Turmanlage. Hausherren waren dort die Herren Johann von Möllenbronn und Ulrich von Möllenbronn.

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Die Orte Enzisreute bekamen ihren Namen durch einen Herren von Enzio und Atzenreute wiederum von einem Herren von Atzo.

Auch Kümmerazhofen hatte eine Turmburg. Dort wohnten die Herren von Kümmerazhofen auf der Nagelburg. Hier ist nichts mehr sichtbar aus den Resten des Kiesabbaus, welcher auf dem dortigen Gebiet erfolgte. Auch vom Schloss Muckenstein zeugt nur noch der Hügel gegenüber dem Haldenhof.

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In Magenhaus findet man heute noch die Überreste in Form eines Plateaus welches einen Fahrweg zeichnet um besser die Fahrzeuge manövrieren zu können.

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Es war ein höchst interessanter Vortrag über die Burgenvorkommen im Gemeindebereich.

Wer nun noch an Sagen glaubt und darüber etwas lesen möchte, dem wird noch rechtzeitig ein Buch beschert, welches Paul Sägmüller geschrieben hat und zu Weihnachten veröffentlicht.

 

Text und Foto Steffi Rist

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