10michelwinnadenMichelwinnaden - Wenn man einer Dorfgemeinschaft das Prädikat „vorbildlich“ oder „einzigartig“ zuteilen darf oder kann, so trifft dies für Michelwinnaden zu. Der kleinste Stadtteil von Bad Waldsee mit rund 650 Einwohnern macht schon lange durch besondere Initiativen auf sich aufmerksam.

Zuletzt schaffte es die Dorfgemeinschaft, den Weg für einen Dorfladen zu ebnen und hat recht früh die Zeichen der Zeit erkannt, um die Digitalisierung voranzubringen. Nicht zu vergessen: die Radwegintiative. Dass sich hier Bürgerinnen und  Bürger zusammentun, um Gemeinsinn zu wecken, Gemeinschaft zu pflegen  und das Vereinsleben zu fördern, ist hochlöblich.

Am frühen Samstagnachmittag (8. Oktober) trafen sich etwa 80 überwiegend Einheimische im Dorfgemeinschaftshaus - besser bekannt als „Burgsaal“ um der Ausstellungseröffnung „Unser Dorf im Wandel der Zeit“ beizuwohnen.

Feierlich umrahmt wurde die Vernissage mit einem beeindruckenden, feinen  Konzert. Dafür erntete das 13-köpfige Erwachsenen-Streicherensemble „Madsen-Players“ unter der Leitung von Frau Tine Madsen  großen Beifall .

Ortsvorsteher Frieder Skowronski, der sichtlich stolz über das Zustandekommen dieser Ausstellung ist, freute sich, unter den Gästen Pfarrer Thomas Bucher, seinen Vorgänger im Amt Paul Hepp und den letzten Michelwinnader Bürgermeister Heinrich Haug sowie den Sohn des Lehrers Josef Schoch  (bis 1938 Oberlehrer in Michelwinnaden) begrüßen zu können.

 Begrüßt wurden die Gekommenen auch von Joachim Mägerlein, dem Vorsitzenden des  Obst-und Gartenbauvereins. Er erinnerte daran, dass im Burghof eine sehenswerte Pflanzenausstellung aufgebaut worden war und regte zum Pflanzentausch und Kauf von heimischen Gartenprodukten an.

Nach der Vernissage nutzten die Besucher die Gelegenheit, um im Obergeschoss der Burg (Fruchtboden)  die Fotoausstellung mit Aufnahmen aus acht Jahrzehnten zu bestaunen und zu kommentieren.

Gar deutlich wird hier jedem Besucher schnell bewusst, wie rasant sich in einem historisch gesehen kurzen Zeitraum das Dorf und vor allen das Dorfgeschehen verändert hat.

 Dass diese interessante Ausstellung  zustande gekommen ist, verdankt man dem Arbeitskreis „Kunst und Kultur“ unter Federführung von Frieder Skowronski, Franz Daiber und Claudia Hüttich. Letztere verstand es auf charmante Art, eine kurzweilige, informative Einführung zu den Ausstellungsexponaten (kopierte Fotos) zu geben.

Verdeutlicht wird der Wandel des Dorfes durch die alten Fotos, die thematisch zusammengestellt wurden.  So gibt es Bildtafeln beispielsweise zur Baugeschichte der Burg (1979 auf Bauplänen noch „Schloss“ genannt), zum Werdegang der Schule, zur Veränderung in der Landwirtschaft und in  den Handwerksberufen, usf.  Da gibt es alte Zetungsanzeigen zu sehen, die Fritz Klingele („Hasenwirt“, Bad Waldsee) gesammelt hat und die sicher zum Schmunzeln anregen.

Die Bedeutung Michelwinnadens als ehemaliges selbständiges Pfarrdorf  ließ sich augenscheinlich bei der angebotenen Führung ins Oratorium der Kirche St. Johannes Evangelist durch Anton Gebele bestens darstellen.

 An  Heimatbewusstsein und Heimatbezug erinnerten in Bezug auf die gute alte und neue Zeit Claudia Hüttich und Frieder Skowronski gleichermaßen: „Wir wollen Kultur leben, nicht nur bewahren“

Michelwinnaden als ehemaliges Pfarrdorf, das um 1907 mit etlichen Weilern 401 Einwohner hatte, wovon etwa die  Hälfte weiblich war, gehörte zu den Dörfern mit ausgesprochen großen Markungsfächen. Waldsee  hatte beispielsweise mit damals knapp unter 3000 Einwohnern eine Markungsfläche von 1386 ha und Michelwinnaden eine von 1986 ha.

Die rasanten Veränderungen  im letzten Jahrhundert wurden durch Gebietsabtretungen nach Verwaltungsreformen, durch Schulreformen und dem damit eingehenden Verlust von Selbständigkeit bewirkt, ebenso durch den Wandel in der Landwirtschaft.

Einer Beschreibung des Oberamts Waldsee von 1907 ist zu entnehmen, dass Michelwinnaden offensichtlich unterschiedliche Bezeichnungen hatte, so 1275 Wineden, später auch Winedenhusen, Winiden, Winnenden (1385).

Heute grüßt liebevoll eine Hinweistafel am Ortsende mit der heimatverbundenen Kurzbezeichnung „Winniga“.

 „Michel“ bedeutet übrigens soviel wie „Groß..“ - gilt zugleich als Abgrenzung gegenüber  Kleinwinnaden (Bad Schussenried) -  kann  aber auch heute symbolhaft für das ausgesprochen „große“ Engagement dieser Dorfgemeinschaft stehen.

Text und Bilder: Rudi Martin

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