04dorfladenMichelwinnaden - Mit solch einem grandiosen Zuspruch hatten Ortsvorsteher Frieder Skowronski und das Expertenteam der Gruppe „Nahversorgung“ nicht gerechnet. Gegen 18:00 Uhr am Sonntagabend mussten noch Stühle in den Michelwinnader Burgsaal gebracht werden, denn die aufgestellten 100 reichten nicht aus.


Auch Bürgermeister Roland Weinschenk, der als Gast zur Informationsveranstaltung gekommen war, staunte darüber, dass nach der langen und wieder bevorstehenden Fußballnacht gut120 Bürgerinnen und Bürger gekommen waren und ihr großes Interesse an der Dorfladen-Konzeption bekundeten. Insgesamt zwei Stunden dauerte die Informationsveranstaltung, die mit einer lebhaften Fragen- und Anwortenrunde beschlossen wurde. Sichtlich erfreut zeigte sich vor allem Ortsvorsteher Frieder Skowronski, der in seiner Begrüßungsansprache darauf hinweisen konnte, dass von den rund 220 Haushaltungen Michelwinnadens gut die Hälfte vertreten sei.

Als ein deutliches Indiz für eine vorbildlich funktionierende Dorfgemeinschaft darf diese Veranstaltung gewertet werden. Skowronski lobte das ungewöhnliche Engagement aller Aktiven in den drei Arbeitsgruppen, die seit dem Frühjahr 2013 existieren und ungewöhnlich viel Zeit und Herzblut geopfert haben. Er erinnerte daran, dass die AG „Kunst und Kultur“ inzwischen zwei Ausstellungen in der Burg präsentieren konnte - eine dauere noch bis Herbst an - und dass danach eine Ausstellung mit alten Fotos aus Michelwinnaden vorgesehen sei. Ein Aufruf zur Sammlung und Bereitstellung von Fotomaterial werde demnächst den Haushaltungen zugestellt werden.

Auch die AG „Verkehr“ habe zwischenzeitlich eine Plattform geschaffen, um mit angebotenen privaten Mitfahrgelegenheiten von „Miwi“ oder nach „Miwi“ Mitbürgern zum Fortkommen zu verhelfen. Bekanntlich sind Transportmöglichkeiten über den ÖPNV mehr als dürftig im Raum Michelwinnaden. Ab Mitte Juli kann auf einer neuen Homepage www. Michelwinnaden-bw.de das Eingabeformular genutzt werden. Jetzt schon können Einträge für die Mitfahrbörse bei der Ortschaftsverwaltung in Papierform abgegeben werden oder auch per Mail unter boosmarkus@web.de.

Zum Hauptthema des Abends stellte die Arbeitsgruppe „Nahversorgung“ - es ist die größte AG der Dorfgemeinschaft - gleich sechs Referenten, die sich sehr gründlich und eingehend in 20 Arbeitssitzungen und dazu bei Besuchen und Erkundigungen in einem Dutzend Dorfläden von der Nahregion bis hin in der Raumschaft Ulm und Rottweil Detailkenntnisse zum Projekt „Dorfladen“ gewonnen hatten.

Es bewahrheitete sich einmal mehr der Leitspruch „Gut Ding will Weile haben“. Denn das gründliche, zeitraubende Recherchieren zeitigt jetzt die Früchte einer durchdachten, wohl überlegten Gesamtschau der Sachlage.

Die Referenten Martina Nunnenmacher ( Thema: Andere Dorfläden), Markus Sigg (Leader-Programm), Markus Boos (Standortgutachten), Thomas Riedle (Ladeneinrichtung), Joachim Gresser (Öffnungszeiten, Sortiment, Personal), und Norbert Näher (Finanzen, Genossenschaft, Ehrenamt) überzeugten das Publikum mit ihren Sachargumenten.

Zusammengefasst lässt sich nach Martina Nunnenmachers Vortrag als Erkenntnis festhalten: Ein Dorfladen funktioniert nur auf partnerschaftlicher Basis, regionale Produkte sind gefragt, fixe Einkaufszeiten, abgestimmt auf Schüler wie Senioren, sind wichtig, ohne Grundsortiment (Obst, Gemüse, Backwaren..) geht nichts, ehrenamtliche Mitarbeit ist gefordert, feste Lieferanten werden benötigt, modernes Kassensystem wird vorausgesetzt, je mehr Menschen in der Genossenschaft sind , umso besser ist die Gesamtsituation, gutes Pesonal sichert gute Kundschaft.

Über Grundsätzliches zum Leaderprogramm, einem Unterstützerprojekt der EU-Kommission, berichtete Markus Sigg. Das Michelwinnader Projekt wurde als förderfähig eingestuft und nimmt einen Spitzenrang ein. In seinem Schlusswort ging auch Ortsvorsteher Frieder Skowronski auf diese Fördermöglichkeit nochmals ein, stellte aber auch klar, dass dies mit vielen Auflagen verbunden sei. Alle Vorträge wurden anschaulich gestützt mit einer perfekten Beamer-Projektion.

So konnte man sich auch ein gutes Bild machen über das ausführliche, positiv beschiedene Standortgutachten (Gebäude, Parkmöglichkeiten, Verkaufs- und Lagerfläche, Lage an Verkehrswegen) vorgetragen von Markus Boos und über die geplante Ladeneinrichtung (Theken, Regale), die Thomas Riedle vorstellte. Wie die Öffnungszeiten geplant sind - an allen Wochentagen von 6:30 Uhr bis 12:30 Uhr und von Montag bis Freitag auch von 16:00 Uhr bis 18:00 Uhr - und wieviel Personal benötigt wird - 6 Teilzeitkräfte auf 450 Euro-Basis - darüber informierte Joachim Gresser.

Als Experte der Finanzsituation und des Genossenschaftsrechts wusste Norbert Näher sehr detailliert aufzuklären und stellte den Finanzierungsplan anhand von Zahlen und Fakten realitätsbezogen vor. Gerechnet wird mit einem Jahresumsatz von etwa 260.000 Euro und mit einem Jahresergebnis vor Ertragssteuern von knapp 2.000 Euro. Das bedeute eine schwarze Null. Das klappe aber nur durch ehrenamtliches Engagement von Mitgliedern, auch durch ein ehrenamtliche Tätigkeit der zu wählendenVorstandschaft und des Aufsichtsrats der Genossenschaft „Dorfladen Michelwinnaden“.

Bevor Frieder Skowronski zur Fragerunde überleitete, stellte er klar, dass ohne genügend Genossinnen und Genossen das geplante Vorhaben, das auch wohlwollend von der Leutkircher Bank durch Beratung und Entgegenkommen beim Mietvertrag unterstützt werde, nicht machbar sei. Er appellierte an alle Mitbürger die Absichtserkärungen einen oder mehrere Genossenschaftsanteile - pro Anteil 200,00 Euro - zu unterzeichnen und schnellstens bis Mitte Juli bei der Ortschaftsverwaltung abzugeben. Mindestens 225 Anteile werden zur Gründung der Genossenschaft benötigt. Unterlagen dazu gibt es über die Ortschaftsverwaltung.

Aus der Zuhörerschaft wurden Fragen gestellt zur Struktur der Genossenschaft ( Vorrang für eine eG und keine GmbH, da demokratische Grundstruktur - 1 Stimme pro Mitglied - gewünscht, also eingetragene Genossenschaft), zum Mietvertrag (für 5 Jahre gesichert), zum Zeitpunkt der Eröffnung (vorgesehen im Herbst), zu einer Café- Ecke oder „Gut-Wetter Stüble“ (möglich), zu einem barrierefreien Zugang (fest eingeplant), zu Konditionen der Bank (Bank bleibt Partner), zur Ladeneinrichtung (durch Zufall schon erwerbbar), zu einem Zuschuss durch die Stadt (Bürgermeister verspricht positive Prüfung), zum Sortiment von Wurst und Käse ( alles verpackt), Backwarenverkauf sonntags (vorerst nicht vorgesehen), zu den Anteilen ( können auch auf Familienmitglieder übertragen werden).

Riesenbeifall gab es am Ende der Veranstaltung für den Ortsvorsteher und für sein Referententeam. Einer der Zuhörer war so begeistert vom Gehörten und von der profunden Information, dass er sich spontan entschloss, ein Fahrzeug ein Jahr lang für Dienste der Genossenschaft zur Verfügung zu stellen. Voll des Lobes war auch der Ortsvorsteher über den gezeigten Gemeinschaftssinn in seinem Dorf. Jetzt sind alle Arbeitskreis-Mitwirkenden und natürlich viele Mitbürger darauf gespannt, ob eine Genossenschaft „Dorfladen Michelwinnaden“ zustande kommt.

 

Text und Bilder von Rudi Martin
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