grabkultur 578 1Haisterkirch - Mit der Thematik „Bestattungsformen und Grabkultur“ hatte der Kirchengemeinderat der Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist Haisterkirch zu einem Vortragsabend in den Pfarrgemeindesaal im Klosterhof eingeladen. Knapp vierzig Personen waren gekommen - überwiegend Frauen - um sich aus erster Hand über das Bestattungswesen und sich über Fragen und Antworten aus Glaubenssicht und zur christlichen Grabkultur zu informieren.

 

Kurz vor einbrechender Dunkelheit lud Hans Peter Waibel, der zum Team des hiesigen Bestattungsunternehmens Wirth-Bucher (Hittelkofen) gehört, zu einem Gang über den Friedhof auf, um vor Ort über Neuerungen und Regelungen für den sich in Trägerschaft der Kirchengemeinde Haisterkirch befindlichen Friedhof zu berichten.


Der erste Gang führte zur Urnengrabreihe, die sich auf der östlichen Mauerseite vor der Sakristei der Kirche befindet und zukünftig auch nach Süden hin erweitert werden könnte.
Waibel wusste zu berichten, dass seit 15 Jahren die Nachfrage nach Urnengräbern steigt und deshalb auch Lücken im bisherigen Gräberfeld entstanden seien. Kirchenpflegerin Camilla Maucher bestätigte auf Nachfrage, dass die Ruhezeit für Verstorbene in allen Gräbern also auch für Urnengräber von der Kirchengemeinde auf 25 Jahre festgelegt wurde. Dem Wunsch auch in Haisterkirch in einem Gemeinschaftsgrab beerdigte werden zu können, ist der Kirchengemeinderat nachgekommen.


Direkt an der südlich gelegenen Friedhofsmauer, wo sich auch Mehrfachgräber - bis zu sechs Belegungen sind da möglich - befinden, wurde solch eine Gemeinschaftsgrabstelle eingerichtet. „Es gibt immer mehr Personen, die keine Angehörigen mehr haben oder auch ihren Kindern die Grabpflege ersparen wollen, diesem Umstand sind wir nachgekommen“, erklärten Hans Peter Waibel und auch Kirchengemeinderat Peter Fluhr, der sich als Friedhofsbediensteter der Stadt Bad Waldsee in allen Bestattungsangelegenheiten besten auskennt und dann auch in der Gesprächsrunde zu Details über die verschiedensten Bestattungsformen und deren Kosten Bescheid geben konnte.. Erkenntlich wurde, dass die Bestattungskosten in Haisterkirch im Vergleich zu kommunalen Friedhöfen noch sehr günstig sind. Hier kostet beispielsweise ein Einzelgrab (auch Urnengrab) 400 Euro und ein Doppelgrab 1200 Euro beziehungsweise 650 Euro für ein Urnendoppelgrab.


Ortsvorsteherin Rosa Eisele wusste zu berichten, dass die gesamte, sehr gepflegte Friedhofsanlage in Haisterkirch allgemein gelobt wird und die günstigen Bestattungskosten auch durch ehrenamtliche Tätigkeiten so ermöglicht werden. Bevor die Fragerunde eröffnet wurde, erläuterte Pfarrer Stefan Werner, weshalb die Friedhofskultur aus kirchlicher Sicht einen hohen Stellenwert hat. Der Friedhof - hier oft auch Kirchhof genannt - sei zugleich ein Zeichen der Hoffnung. Die Kirche verrichte einen Ehrendienst für Verstorbene, stehe den Angehörigen in der Trauer bei, verrichte ein leibliches Werk der Barmherzigkeit, Trost und Hoffnung wurzeln schließlich im Glauben an die Auferstehung. Sein Fazit: „Jeder hat das Recht auf christliche Bestattung. Der Friedhof ist ein öffentlicher, zwar abgegrenzter Raum der Gemeinschaft, ein Ort der Trauer, des Gedenkens und des Betens, eben ein Teil der Gemeinschaft der Lebenden und Verstorbenen.“


In der Diskussion wurden dann noch etliche Fragen gestellt zu Platten- oder Rasengräbern und zu anderen Bestattungsarten wie anonyme Waldbestattungsformen. Die Haisterkircher Friedhofsatzung kann derzeit solchen Sonderformen nicht gerecht werden. Dazu ist die Kirchengemeinde einfach zu klein, denn der Friedhof ist nur für ortsansässige Bürger - auch anderer Konfessionen - gedacht. Anspruch auf eine Beerdigung in Haisterkirch haben auch die Einwohner der zur Kirchengemeinde gehörenden Weiler Graben und Ehrensberg. Inge Bucher vom Bestattungsunternehmen Wirth-Bucher gab noch wertvolle Hinweise für die Gekommenen. Aus Erfahrung vieler Jahre und aus der Realität empfiehlt sie allen, in Gesprächen das Sterben zu thematisieren. Wünsche zur Begräbnisart, ob beispielsweise Feuer- oder Erdbestattung sollten schon bekannt sein, ehe die Hilfen durch das Bestattungsunternehmen in Anspruch genommen werden.

 


Text und Bild: Rudi Martin

 

 

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