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Aulendorf - Zu einem weiteren Informationsabend in Sachen Windkraft im Röschenwald lud am Donnerstagabend die Windkraft Bodensee-Oberschwaben GmbH & Co.KG (WKBO) ein. Die Veranstaltung im Musiksaal des Schulzentrums in Aulendorf richtete sich an die Bürger der Gemeinde Wolpertswende sowie der Städte Aulendorf und Bad Waldsee und alle Interessierten aus dem Umland. (Im Bild links Frank Holfert, rechts Helmut Hertle, die sich den Fragen der Zuhörer stellen)

 

 

 

Die gute Nachricht für Aulendorfs Bürgermeister Matthias Burth kam zuerst.: Die nördlichste, zu Aulendorf nächste Anlage ist gestrichen, den Einwänden wurde Rechnung getragen. Statt sechs Windräder mit einer Höhe von bis zu 230 Meter sollen nur noch fünf Anlagen im Röschenwald gebaut werden, so WKBO-Geschäftsführer Helmut Hertle.

 

Die WBKO, ein Zusammenschluss der TWS, Stadtwerke am See Friedrichshafen, beide 45 % Anteile, und Stadtwerke Bad Saulgau, 10 % Anteil planen mit dem Windkraftanlagenhersteller Enercon aus Aurich den Windpark zu erstellen.

Etwa 200 Zuhörer begrüßte Burth, darunter seinen Bürgermeisterkollegen aus Wolpertswende Daniel Steiner, aus Bad Waldsee den stellvertretenden Bürgermeister Bernhard Schultes, den Ortsvorsteher aus Reute Achim Strobel, sowie weitere Gemeinderäte und Ortsvorsteher.

Nach einer ersten Infoveranstaltung vor neun Monaten soll diese Veranstaltung „über den aktuellen Planungsstand informieren und Fragen beantworten“, so Hertle. Zur Einleitung wies er auf die Fortschreibung des Regionalplanes hin und betonte eine Aussage des Regionalverbansdirektors Schussental Wilfried Franke, der Windpark sei genehmigungsfähig. Dazu müssen die Voraussetzungen den Artenschutz, die Schallemissionen und den Schattenwurf betreffend genehmigt sein. In diesem Fall muss das Landratsamt als Genehmigungsbehörde nach § 35 Baugesetz den Bau als priviligiert einstufen, d.h. selbst Einwände aus umliegenden Gemeinden oder Beschlüsse der Gemeinderäte können einen Bau nicht verhindern. Hertle bittet trotz gegenteiliger Auffassungen und emotionaler Betroffenheit um eine sachliche Diskussion. Diese blieb nach einstündigen Ausführungen der Betreiber und fast zweistündiger Diskussion betont sachlich, der Beifall verteilte sich etwa zur Hälfte für Gegner und Befürworter.

 

Baden-Württemberg, so Hertle, habe einen Nachholbedarf bei der regenerativen Energie, die derzeit bundesweit 40 %, in Baden-Württemberg aber nur 25 % betrage. Um das Klimaziel zu erreichen sollten es bis 2050 100 % sein, und die notwendigen Schritte müssen jetzt gemacht werden, wenn man aus Kohle und Atom aussteige.

 

Windkraft und Photovoltaik (PV) ergänzen sich gut in ihrer Nutzung, Wind in den Wintermonaten und PV im Sommer, so Hertle weiter, der die Unternehmungen der Betreiber seit 2012 beschrieb und die geplanten Anlagen in Schaubildern darstellte.

 

Frank Holfert, Projektleiterr der Enercon GmbH, ergänzte, dass nach Abschluss der Windmessung nächste Woche und Fertigstellung aller nötigen Gutachten der Genehmigungsantrag noch dieses Jahr gestellt werde. Die Anlage E 138 EP 3 mit 4200 KW Leistung hat eine Nabenhöhe von 160 Meter und eine Gesamthöhe von 230 Meter, sowie eine Lebensdauer von 25 Jahren. Danach habe sich der Betreiber , also Enercon mit einer Bürgschaft verpflichtet , den Wald in seinen Ursprungszustand zu versetzen. Die Auflagen bezüglich Lärm unter 40 dB werden selbst bei der nächsten Ortschaft Geiger Röschen unterschritten, die Einleitung des Stroms sei mit Erdkabeln, voraussichtlich bis Baindt geplant, und keine anderen Richtwerte wie Schattenwurf werden überschritten, voraussichtlich werde die in der Anlage eingebaute Schattenabschaltung nicht benötigt.

 

 

Beim Artenschutz sei vor allem der Rotmilan zu beachten, der bei seiner Nahrungssuche vor allem im Offenland, als nicht im Wald fliege, seine Beute die Haselmaus werde mit dem Bau aus dem Wald vertrieben, den die Umgebung der Anlage stelle sich für die Maus wie eine Mondlandschaft dar und folglich nicht attraktiv.

Auch der Weißstorch komme laut Kartierung nicht in nächster Nähe vor, sodass Kollisionen nicht zu befürchten seien.

 

 

In der Diskussion meldeten sich zuerst die Gegner zu Wort: Ralf Weiß aus Weingarten sorgte sich um die Wirtschaftlichkeit, ein Argument, das Holfert zurückwies, dann würden sie nicht bauen, sein Unternehmen müsse Gewinne erzielen. Auch der Infraschall, der von weiteren Gegnern angeführt wurde, sei ab 500 Meter Abstand nicht mehr von anderen Infraschallquellen zu unterscheiden und Messwerte bis in 20 km zu bemerken seien mit so feinen Messgeräten aufgezeichnet und hätten keine Relevanz bezüglich einer Windkraftanlage. Der Windatlas, den weitere Gegner als Beweis für mangelnde Wirtschaftlichkeit anführten, sei so Holfert, in seiner Aussage „zu ungenau“, da die Messwerte von bestehenden Anlagen mit bis zu 20 % Unsicherheit zwar angeschaut werden, aber entscheidend sei für ihn und auch für seine Bank sei als Geldgeber die tatsächliche Windmessung und der daraus errechnete Ertrag. Welche Vorteile Bürger aus Wolpertswende haben, wollte eine Anwohnerin aus Zollenreute wissen. Da der Röschenwald auf Gemarkung Wolpertswende stehe, könne diese mit 70 % der Gewerbesteuereinnahmen rechnen, das sei eben so laut Steuerrecht.

 

Erstaunen löste die Feststellung aus, dass die Windmessgeräte in Engenreute platziert sind. Aus wirtschaftlichen Gründen, eine Messung für zwei Anlagen im Umkreis und mit dem Gutachter abgesprochen , sei dies, so Holfert.

 

Für die Befürworter ergriff Ulrich Walz vom Energiebündnis Bad Wurzach/Byad Waldsee das Wort, berichtete von seiner Besichtigung der Anlage bei Bad Saulgau, wo er erstaunt zur Kenntnis nahm, das der Sockel mit einem Durchmesser von 24 Metern bei 3 Metern Tiefe auskomme und selbst wenn man unter der Anlage stehe, sei diese fast nicht zu hören. Auch wies er auf die Verantwortung des Einzelnen hin zum Klimaziel beizutragen, insbesondere wo jeder Bürger drei Erden verbrauche.

 

Zum Schluss versprach Bürgermeister Burth sich mit Herrn Friedmann, als Vertreter der Gegner zusammenzusetzen, um eine „um eine „neutrale Infoveranstaltung zu bereden. Doch schon bei dieser Veranstaltung hatten Gegner und Befürworter reichlich Gelegenheit ihre Argumente auszutauschen.

 

„Wo Wind gut weht, muss man Wind ernten“, ist das Fazit von Hertle und Holfert., die sich auch weiterhin als Gesprächspartner anboten.

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

 

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